“APT28 können wir geografisch Russland zuordnen“

Welche Techniken haben die Hacker eingesetzt?

Bob Botezatu: Vermutung eines Außenstehenden: Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Angriff mindestens drei Komponenten enthielt. Erstens genau ausgesuchte Ziele in den Regierungsbehörden, zweitens maßgeschneiderte Hintertüren und drittens „Spear Phishing“, also eine aufwändig und individuell für diesen Zweck erstellte E-Mail mit Schadcode. Bei solchen kombinierten Angriffsmechanismen sprechen IT-Sicherheitsspezialisten von Advanced Targeted Attacks, fortschrittlichen gezielten Attacken. Hacker nutzen sie, um Regierungen und militärische oder öffentliche Einrichtungen anzugreifen.

Wer war es?

Botezatu: Wir warten noch auf Informationen, aus welchem Grund der Vorfall mit der Hackergruppe APT28 in Verbindung gebracht wird. Während eine militärische Invasion über einen Satelliten nachverfolgt werden kann, ist es möglich, dass ein Cyber-Angriff genauso zerstörerisch ist, aber leise und ohne klar erkennbare Urheberschaft stattfindet. Sollte sich die Verbindung mit APT28 bestätigen, ist auch der Zusammenhang zu Russland klar, der wurde bereits in der Vergangenheit dokumentiert.

Kann man sicher sagen, dass APT28 von der russischen Regierung unterstützt wird?

Botezatu: Ganz so weit kann man nicht gehen. Aber die Hackergruppe APT28 können wir geografisch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Russland zuordnen. Diese These wird von zahlreichen Security-Unternehmen unterstützt, darunter Bitdefender. Wir wissen, dass ihr Schadcode in der Moskauer Zeitzone entwickelt wurde. Dazu gehören Russland, Georgien, Aserbaidschan. Von diesen Ländern hat nur Russland die Ressourcen, um einen solch ausgeklügelten Angriff auf ein hochgeschütztes IT-Netzwerk durchzuführen.