Cyberkriminelle haben Corona-Weichen

Die Corona-Pandemie hat auch ein halbes Jahr nach dem Ausbruch das Arbeits- und Privatleben fest im Griff. Die Aktivitäten der Cyber-Kriminellen zeigen, dass sie sich auf die Situation eingestellt haben. Insbesondere Web- und E-Mail-Attacken haben stark zugenommen.

Ein weiteres beliebtes Ziel: Das Remote Desktop Protokoll (RDP) von Microsoft. Gerade Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, greifen hierüber auf das Firmennetzwerk zu. Die Kriminellen versuchen, dieses Protokoll zu missbrauchen und sich in die Verbindung zwischen Unternehmens-IT und Home-Office einzuklinken, um Schadprogramme einzuschleusen oder Hintertüren einzurichten. Seit Jahresbeginn haben sich die Angriffsversuche darüber mehr als verdoppelt. Aber nicht nur auf Cyberbedrohungen geht der ESET Threat Report für das zweite Quartal 2020 ein. Der Bericht gibt auch einen Lagebericht zu bekannten APT-Gruppen und deren momentane Aktivitäten. Advanced Persistent Threat (APT) Gruppen greifen in der Regel mit gezielten Angriffen kritische Infrastrukturen sowie Behörden und Unternehmen an. Dabei geht es diesen Gruppen darum, sich im jeweiligen Netzwerk einzunisten, um an vertrauliche Daten zu gelangen. Im Threat Report berichten die ESET Forscher über aktuelle Aktivitäten von Winnti, Turla oder Gamaredon.

Einen besonders hohen Anstieg beobachteten die ESET Forscher bei Phishing-Mails. Hauptsächlich setzen die Kriminellen derzeit auf Nachrichten, die auf den ersten Blick vom Paketzustelldienst DHL stammen. Gegenüber dem ersten Quartal sehen die Experten bei dieser Kampagne eine Verzehnfachung des Aufkommens. Die meisten dieser E-Mails enthalten Anhänge mit den Namen „DHL_Receipt.pdf.htm“ oder „DHL_Document.pdf.html“. Dies sind gefälschte Formulare, die versuchen, an die Anmeldeinformationen zu DHL-Onlinediensten zu gelangen. Eine mögliche Erklärung kann die Zunahme der Online-Bestellungen durch die Corona-Pandemie sein. Gerade dieses stärkere Bestellverhalten könnte auch die Steigerung bei den Android-Bedrohungen begründen.

Android Bedrohungen nehmen zu

Laut aktuellen Umfragen des Digitalverbandes Bitkom shoppt mehr als jeder zweite Anwender mit dem Smartphone – Tendenz steigend. Mobile Shopping ist heute bereits fast so verbreitet wie der Kauf per Laptop. Eine Steigerung zeigt auch die Android Bedrohungslage: Um 18 Prozent sind die Malware-Erkennungen bei diesem Betriebssystem im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen. Sehr beliebt waren auch im zweiten Quartal Attacken mit Bezug zur Corona-Pandemie. Ein typisches Szenario waren Banking-Trojaner, die über schadhafte Webseiten verbreitet wurden und vorgaben, Seiten der Gesundheitsministerien zu sein. Darüber hinaus sahen die Experten Fälle, in denen sich eine Android-Ransomware als kanadische Covid-19-App ausgab. Der ESET Threat Report für das zweite Quartal 2020 ist auf Welivesecurity verfügbar.

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